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Зов к духу

Hermann Wenng

Das Kreuz

Das Kreuz! Ein altes Symbol der Menschheit! Es ist auffallend, welche Rolle das Kreuz in seinen verschiedensten Formen und Abarten in der Geschichte der Menschheit spielt, wo es überall auftritt, in welcher Weise es angewendet wird und welchen Sinn man ihm beimißt! Immer tragen es die Menschen vor sich her, sie fetzen es in die Fahnen und Standarten ihrer Staaten ebenso, wie sie es als Dekorationen und Auszeichnungen verwenden.

In nachchristlicher Zeit ist dies, zumindest seit die christliche Religion die herrschende in verschiedenen Kulturstaaten geworden ist, ja erklärlich, so wird mancher sagen, daß man dies Zeichen der Menschheitserlösung auch als Hoheitszeichen des Landes verschiedentlich einführte, daß man sich in besonderer Weise mit diesem Zeichen beschäftigte.

Konstantin, den die Kirche den Großen nannte, ging mit dem Beispiele voran, andere folgten ihm nach, um es, bald in der einen, bald in der anderen Form und Farbe, bald liegend, gleichschenkelig, mit einem oder zwei Balken oder auch mit verschiedenen Zutaten versehen, die bald diese bald jene Bedeutung haben sollen, als Abzeichen der Staaten und Länder zu verwenden.

Dies ist ja wirklich nicht weiter verwunderlich, man weiß ja den Ursprung und kennt den Sinn und die Absicht — oder meint doch wenigstens ihn zu kennen; anders verhält es sich aber mit der Tatsache, die nicht zu bestreiten ist, daß man das Kreuz, die Kreuzesform in mannigfacher Gestaltung schon in älteren Epochen des Menschenseins auf Erden nachgewiesen hat, in den Resten ältester Kulturen, von denen irgend eine schriftliche oder mündliche Kunde nicht auf unsere Tage gekommen war.

So ist die Form des Hakenkreuzes uralt und keine Erfindung der Neuzeit — es ist das Zeichen alter Sonnenanbeter, die in den Hochländern Asiens zu Hause waren. So haben die christlichen Bekehrer, Missionare, sich sehr erstaunt, das Kreuz als ein schon fast wieder vergessenes Kultzeichen unter den Völkern Zentral-Amerikas zu finden, wie es ja auch Germanen vorschriftlicher Zeit bekannt gewesen ist und auch als Runenzeichen eine besondere Verehrung genoß.

Überall findet man es, man hat es ebenso wohl aus dem Sande der Wüste Innerasiens gegraben als auch in den Tempelresten Yukatans auf Steinen gefunden, vom Urwald überwuchert; die Maja-Inschriften zeigen es und den Mexikanern-Azteken war es nicht unbekannt. Auch uralte Zweckbauten, die einer Zeit angehören, die sich überhaupt gar nicht feststellen läßt, zeigen in ihren Grundrissen manchmal die Kreuzform.

Es läßt sich nicht leugnen, daß dieses Zeichen den Weg der Menschheit über die Erde von Anfang an begleitete und daß es immer irgendwie in besonderer Weise mit Kultzwecken in Verbindung gestanden hat. Wenn es wohl auch da und dort profanen Gebrauchsgegenständen aufgeprägt gewesen fein mag, so läßt sich feine besondere und aus allem herausragende Bedeutung überall wiedererkennen. Es muß sich bei dieser Form, diesem Zeichen, dieser Zeichnung also für die Menschen um etwas Besonderes, Lebenswichtiges handeln, um etwas, dem man wohl uralten, heute nicht mehr feststellbaren Einflüssen gehorchend, eine besonders lebendige Bedeutung beilegte.

Die jetzt allerdings fast ausschließlich als Kreuz geltende Form desselben mit dem nach oben verschobenen Querbalken tritt erst in der christlichen Epoche als Kultzeichen auf; erst von Christus Jesus Kreuzigung ab ist diese Form die allgemeine und fast ausschließlich anerkannte Kreuzform geworden.

Vorhanden war sie natürlich auch-vorher schon als Zeichen, von dem hier die Rede fein soll; denn als Zweckform muß sich die Kreuzgestalt nahezu von selbst als tragender Bauteil ergeben haben. Bekannt ist aber nur von Römern, daß sie dasselbe in der Form des »T« Trägers zur Hinrichtung benutzten, von welchem Gebrauch ausgehend es für uns in der bekannten Form die überragende Bedeutung erlangt hat. In der Kunst wird es häufig in feiner ursprünglichen »T«- Form als Kreuz für die Schächer zu Seiten des Heilandes verwandt — und es dürfte diese auch der Tatlache entsprechen; denn für das darüber hinausragende Stück war ja kein Bedürfnis vorhanden bei diesen: bei Jesus war es anders; man wollte den bekannten Schriftsatz über feinem Haupte anbringen.

Man kann also, wie man sieht, dieses Kreuz als das Todeskreuz bezeichnen, denn aus dem »T« ist es ja entstanden, während das gleichschenkelige, nach allen vier Seiten gleichstrahlende im Gegensatz dazu nur das Lebens-Kreuz genannt werden könnte, denn diese Form bilden vier L, wie das Turnerkreuz, dem noch zwei kleinere Balken eingefügt wurden, vier F.

Es stehen sich also das Lebens- und das Todeskreuz in den Formen einander hauptsächlich gegenüber, das »T« und das »L« alle anderen sind Ableitungen von diesen, ja, man darf sagen, daß das L-Kreuz das alleinige war bis zu dem Zeitpunkt, da die Menschen schrien: »Kreuzige, kreuzige ihn!« Das verschobene Kreuz war ja vorhanden und tauchte auch da und dort schon vorher auf, aber als überragend ist doch das »L«-Kreuz zu erkennen, es ist bestimmt ein uraltes Kult-Gut der Menschheit, während das Todeskreuz erst von Christi Tod an eine Bedeutung erlangte. Es wird nun Meinungen geben, die etwa folgende These ausstellen: Alles im Menschenleben hatte ursprünglich einen lediglich zweckbedingten, praktischen Wert, es ist aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen vom Menschen erfunden worden.

Erst später wurde ihm, entstehend aus dem mystischen Bedürfnis des Menschen, eine andere Bedeutung beigelegt, wurde es als Zeichen verwandt, als Merkzeichen, Rune und so weiter, die dann schließlich einen ein für allemal bestimmten Sinn behielten, der mit der Zeit immer dunkler und geheimnisvoller wurde, bis die Erfindung anderer und vollkommenerer Ausdrucksmittel sie außer Kurs fetzte. So wird es, nach dieser Meinung, auch also wohl mit der Kreuzform gegangen fein!

Dies ist die Meinung des Materialisten, der alles von der materiellen Seite her betrachtet und das Geistige als ein Produkt des Materiellen, sozusagen als ein kaum beabsichtigtes Nebenprodukt ansieht, als einen Ausfluß der leider auch vorhandenen müßigen Spekulationen des Gehirnes, die sich gerne im Uferlosen und Unklaren und Unbeweisbaren verlieren. Es hat diese Meinung zwar schon viel von ihrer einst sehr großen Gewalt und ihrem Einfluß verloren, insbesondere aber läßt sich nachweisen, daß sie dem Kreuze gegenüber gänzlich versagen muß! Erstens: Materiell betrachtet ist nicht einzusehen, wieso diese in Holz oder auch Eisen sehr schwer herstellbare Form des Lebenskreuzes die erste und also ursprüngliche gewesen sein sollte, da die Form des »T« Kreuzes, also des Trägers, doch die viel leichtere und auch unendlich zweckmäßigere für den menschlichen Gebrauch ist — die andere dagegen geradezu als eine Zufallsform angesehen werden müßte. Sie kann nicht aus Zweckmäßigkeit geworden fein, da sie gar nicht für sich allein zweckmäßig ist, sondern nur in übertragenem Sinn. Wenn sie geschaffen wurde als erstes, so wollte man damit etwas Bestimmtes ausdrücken, es ist eine ganz besondere Ausdrucksform, nicht eine Zweckform!

Und diese Ausdrucksform wird von keiner anderen, die auf dieser Erde irgendwo in Erscheinung tritt, ubertroffen, nicht einmal erreicht! Es wird doch niemand leugnen wollen oder können, dass diese Form in ihrer Einfachheit und Klarheit, man kann geradezu sagen: Reinheit ihresgleichen nicht hat und daß ihr Anblick auf den Beschauer einen geradezu unbegreiflich magischen Eindruck macht, den man in dieser Eindringlichkeit bei keiner anderen empfindet, auch nicht bei den an Wirkung ihr am nächsten kommenden, zum Beispiel dem Kreis oder dem Quadrat oder dem Dreieck. Keine von diesen Formen vermag sich mit den sich kreuzenden Balken des »L« Kreuzes zu messen.

Es geht geradezu ein magnetischer, lebendiger Strom von ihm aus, dem sich keiner zu entziehen vermag, der es unbefangen auf sich wirken läßt.

Dies gilt ausschließlich von dem gleichschenkhgen Kreuze, das die Schweiz als ihr Hoheitsabzeichen übernommen hat, keineswegs aber auch von der Form, in welcher es die Kirchen gebrauchen und zur Verehrung ausstellen, wenn man von der Gewöhnung an dieses Kreuz absieht und vor allem nicht den in dieses gelegten Sinn der Erlösung in die Betrachtung miteinzieht. Nach dem, was vorher über dieses Zeichen ausgeführt ist, muß es jedem nicht ganz empfindungslosen Menschen klar fein, daß es mit ihm etwas Besonderes »auf sich« haben muß — und in der Tat, das ist auch der Fall! Es muß jedem, der dieses Zeichen einmal mit offenen Sinnen ansieht, offenbar werden; dass es sich hier um einen lebendigen Vorgang handelt, handeln muß, und daß es auch ein wirklicher Vorgang gewesen fein muß, der es gestaltet hat, daß es die sichtbar gewordene Form eines lebendigen Stromes von Kraft ist, die da vor uns steht und auf uns wirkt.

Daher muß auch die magische Wirkung dieses Zeichens auf den Menschen kommen, die so stark ist, daß wir die kleinste Verschiebung des einen Balkens nach oben oder unten stark empfinden, meinen wir doch, in diesem Zeichen geradezu die verkörperte, sichtbare Gerechtigkeit vor uns zu haben, dies unentrinnbare Gesetz des Lebens, dem auch die leiseste Verschiebung nach irgend einer Richtung sichon Abbruch tut!

Wenn der waagerechte Balken wie bei dem Leidenskreuze Christi stark nach oben verschoben wird, so haben wir ja auch kein absolutes Gleichmaß mehr vor uns, sondern — ein Schwert!

Dieses Leben, diese Kraft und diese Gerechtigkeit, dieses Gesetzmäßige, wie es von dem gleichschenkligen Zeichen ausgeht, sind dann verschwunden und es kommt vielmehr eine Willkürlichkeit zum Vorschein, die geradezu erschütternd wirkt!

Diese Beobachtung wird niemand zu bestreiten vermögen, der unvoreingenommen herangeht, dies Zeichen, dieses unendlich alte Lebenssymbol, zu prüfen, das nie etwas anderes ausgedrückt noch dargestellt haben kann als die absolute Wahrheit und Gerechtigkeit, das Leben selbst, das ja immer mit den beiden vorgenannten völlig eins ist und sein muß, wenn es eben »Leben« sein will und nicht dem Vergehen anheimfallen.

Oder will jemand leugnen, daß die innere Ungerechtigkeit und Unwahrhaftigkeit, die Gesetzlosigkeit es ist, welche alles Leben zum Tode bringt, Einrichtungen, Staaten und Völker vernichtet und auslöscht aus dem Buche des Lebens?

Klar liegt damit vor uns, daß diese Form niemals aus Gründen der Zweckmäßigkeit heraus von den Menschen geschaffen worden fein kann. Eine solche Form ist nicht als Werkzeug noch als etwas anderes zu gebrauchen, auch als Träger unzweckmäßig, wenn man von dem modernen Maschinenbau und Bauen absieht. Das aber muß man, weil es für die Urzeiten der Menschheit, in denen das Kreuz entstanden ist, nicht in Betracht kommt. Für diese Zeit war nur das Einfachste möglich, das Kreuz aber ist nicht einfach, sondern dem Geiste gegeben als geistiges Gut. Längst ist der Wissenschaft bekannt, daß alles Leben Strahlung ist, wenn sie auch die Zusammenhänge noch nicht klar erkennen kann, weil der experimentellen Wiederholung der Wirkungsweise der Strahlungen unüberwindliche Hindernisse entgegenstehen.

Ein rechtes Erfassen dieser mehr geahnten als gewußten Tatsache ist auch noch nicht möglich, da ja erst ein ganz geringer Teil der wirkenden Kräfte erkannt werden konnte und auch dieser noch nicht zu gebrauchen ist.

Ob es je wird geschehen können und wie weit der Mensch von sich aus in die Geheimnisse des Lebens wird einzudringen vermögen, ist eine Sache für sich; denn das wahre Wesen der Dinge zu erfassen liegt jenseits der Möglichkeit des menschlichen Verstandes. Dieser wird hierin stets auf die Offenbarung angewiesen sein, die er feiner Natur nach leugnen muß.

So wird er auch kaum jemals von sich aus in der Lage sein, das wahre Wesen des Kreuzes zu erkennen, ob er es gleichwohl für die verschiedensten Zwecke nach feinem Willen zu gebrauchen sucht und meint, eine eigene Schöpfung, ein aus eigenem Denken entsprungenes Symbol damit vor sich zu haben. Wer indessen unvoreingenommen zusieht, wird es aus gewissen Anzeichen doch zu erkennen vermögen, dass ihm hier etwas entgegentritt, das feinem Willen nicht unterworfen ist, sondern umgekehrt ein Gesetz darstellt, dem er unterworfen erscheint! Dieser Erkenntnis vermag es keinen Abbruch zu tun, daß er anscheinend nach Willkür mit dem Zeichen zu verfahren imstande ist, es anscheinend formt und verändert nach seinem Willen, bald hinzufügt, bald daran herumschiebt oder hinweg nimmt, wie es ihm paffend erscheint. Freilich immer nur mit dem Erfolg, daß die ursprüngliche reine und so sonderbar eindringlich wirkende Form verschoben wird. Können wir nicht gerade aus der Tatlache, in welchem Ausmaße der Mensch an diese Form sich bindet, wie er es überall vor sich hinstellt, wie er es immer vor sich herträgt, bald in Liebe dafür entbrannt oder es in grimmigem Hasse angeht, könnten uns über die wahre Natur des Kreuzes nicht schon deshalb längst die Augen geöffnet fein? Könnten wir nicht schon längst die Überzeugung haben, daß wir hier nicht einem Werk von Menschenhand gegenüberstehen, sondern daß es ein Gesetz sein muß, dem der Mensch immer und überall unterworfen bleibt, dem er sich nur mit großer Mühe zu entziehen versucht!

Wir haben im Anfange dieser Ausführungen schon gesehen, daß sich in der Hauptsache zwei Formen des Kreuzes gegenüberstehen: die reine Form des Lebenskreuzes, das gleichschenklige‚ und die verschobene, aus dem »T« entstandene‚ das Todeskreuzes. Todeskreuz darum, weil die Menschheit an ihm das lebendige Gotteswort vom Leben zum Tode beförderte.

Es haben nun die Menschen gerade das Todeskreuz zu ihrem Zeichen erwählt, während sie das Lebenskreuz ganz nebensächlich behandeln und sogar nur als eine Abart des ersten betrachten, trotzdem es erwiesenermaßen vor dem anderen vorhanden war, aber durch unendlich lange Zeiträume hindurch von den Menschen unbeachtet blieb.

Es ist hier nicht der Platz und auch nicht der Zweck dieser Ausführungen, auf die bekannte Geschichte des christlichen Kreuzes näher einzugehen (das Symbol und Zeichen der ersten Christen war übrigens nicht dieses Kreuz, sondern es waren die Fische), sondern der Zweck ist, darzustellen, daß wir in dem eigentlichen Kreuze einem lebendigen Gesetz gegenüberstehen, daß dieses lebendige Gesetz aber nicht das Kreuz der Kirchen ist, sondern das gleichgerichtete, uralte Wahrheitszeichen, das erst durch den Tod des Wahrheitsbringers auf Erden in das Todeskreuz verbogen wurde.

Das Todeskreuz, wurde durch den Tod Christi den Menschen an Stelle des Lebenskreuzes aufgedrängt. Im eigentlichen, gleichschenkligen Kreuze handelt es sich nicht um ein Symbol, blutleer und tot, sondern um einen lebendigen Vorgang von gewaltiger Kraft in den Urgründen des Lebens!

Doch wohlgemerkt, es soll hier nicht behauptet werden, die Kirchen hätten dieses Todeskreuz der Menschenwelt untergeschoben; durchaus nicht, sondern die Kirche war nur die dafür unbewußte Vollstreckerin der Auswirkung einesunentrinnbaren, furchtbaren Gesetzes, das den Menschen dieses Todeskreuz aufzwang! Dies als den sichtbaren Ausläufer eines tatsächlichen Lebensvorganges, eines Vorganges, der in den eigentlichen Gründen des Seins seinen Ursprung und fein eigentliches Geschehen hatte, wovon wir nur immer die letzten Ausläufer zu sehen bekommen. An der geheimnisvollen Kraft des uns sichtbaren Zeichens aber können wir die Wahrheit, wie sie wirklich ist, erahnen!

Ist nicht ein ewiger Kampf über der Menschheit um des Kreuzes willen?

Es ist jedermann sichtbar, daß es so ist. Trotzdem ist es aber auch wiederum nicht so, wie man nun meint, daß es sei! Wohl steht das Kreuz der Kirchen vielfach im Vordergrunde des Kampfes, wohl kämpft ein großer Teil der Menschheit, sogar der überwiegende, mit furchtbarem Haß gegen das Kreuz, wie es die Kirchen zeigen, wohl erheben sich andere Kreuze, die in der Form sogar dem Wahrheitskreuze, dem vergessenen, näherkommen, gegen das Todeskreuz, aber dennoch ist auch dies nur das verhältnismäßig kleine Anzeichen eines viel gewaltigeren unsichtbaren Vorganges, der den verborgenen Hauptnerv des Lebens trifft!

Es kämpft die gesamte Menschheit der Erde einen Verzweiflungskampf um des Kreuzes willen, das nicht nur des Lebens Zeichen, sondern das Leben in Wahrheit ist!

Wir, die Menschen, meinen, daß wir auf Erden um des Lebens willen kämpfen müssen. Die Erdenmenschheit glaubt, daß sie untereinander nach Gottes Willen um ihr Leben, um den Lebensraum auf Erden kämpfen müsse, daß sie tatsächlich einen Kampf um das Leben führe, in dem eben der Stärkste, der Tüchtigste obsiegen würde. Mindestens glaubt sie wie jeder Einzelne, daß sie um des Lebens willen kampfe. Die Wirklichkeit ist aber gänzlich anders! Sie kampft nicht um ihr Leben, sondern gegen das Leben! Sie kämpft einen hoffnungslosen Kampf, nicht um zu leben, sondern sich den Tod zu geben, zu beschleunigen ihr Ende! Dies ist die harte und nackte Wahrheit!

Sie kämpft um des Kreuzes willen und muß diesen furchtbaren Kampf kämpfen, weil sie des Kreuzes der Wahrheit und der Gerechtigkeit durch undenkliche Zeiten hindurch schon vergessen hat, weil sie es verleugnete und sich schließlich das Kreuz des Todes auf sie legte!

Es macht dabei nicht das geringste aus, ob sie das Kreuz der Kirchen bekennen oder nicht, sondern alle sind dem Gesetze unterworfen. Es handelt sich dabei um dem Erdenauge verborgene, geistige Vorgänge, die sich in diesem Zeichen sichtbar auswirken, die sich auswirken in diesem Kampfe gegen Gott, gegen das Leben selbst, den die Menschheit nur zu führen meint um des Lebens willen, ganz gleich, welches Zeichen sie vor sich herträgt oder an ihre Fahnenstangen heftet!

Es dürfte heute schon einem jeden Menschen klar fein, dass die in sich uneinige, zerrissene Welt in diesem Kampfe nicht siegen wird; denn alles kämpft ja nicht für das Leben und feinen Bestand und seine Aufwartsentwickelung, sondern dagegen!

Sie alle, der eine wie der andere, sie mögen sich nennen, wie sie wollen, mögen vorgeben, was sie wollen, sie alle kämpfen gegen die Wahrheit, sie kämpfen nicht für, sondern gegen das Kreuz.

Und in diesem Zeichen, in diesen anscheinend belanglosen Unterschieden, kleinen Verschiedenheiten, offenbart sich die ganze Tragödie der Menschheit, daß sie achtlos an dem vorübergeht, was ihr einen Weg zeigen und Aufklärung über dies scheinbar völlig unerklärliche Geschehen, das sich vor ihren Augen und doch auch anscheinend gegen ihren Willen auf Erden abspielt, geben könnte.

Es gibt nichts, das lebendiger wäre, als das Kreuz! An den einfachen, sichtbaren Zeichen kann es jeder ermessen, erahnen, was in ihm liegt, was es nicht »bedeutet«, sondern was es ist.

Alles Lebende strahlt; dies weiß die Wissenschaft selbst, die sich nur auf Sichtbares, Greifbares, Beweisbares stützt. Nicht nur auf das »tierische« Leben bezieht sich das, sondern auf alles; auf das Kleinste, wie auf das Größte, von den » Raumstrahlen«, die von der Wissenschaft erst jüngst in den Bereich ihrer Untersuchungen gezogen wurden, bis herab zu den kleinsten Dingen!

Von den Sonnen angefangen bis zu den Radiolarien, alles sendet Strahlen aus, solche, die für unsere Augen und für die Instrumente sichtbar und greifbar sind und solche, die weder von den Augen noch von den Instrumenten wahrgenommen werden können — und diese letzteren sind die wirksamsten, die eigentlich lebenden!

Alles, das nicht mehr zu strahlen imstande ist, ist krank, ist tot. Am intensivsten und reinsten strahlt aber das Kreuz, das gleichgerichtete der Gerechtigkeit, der Wahrheit.

Von ihm, dem Urquell allen Lebens, das einst vor der Menschheit herging in einer Zeit, von der nur noch in Sage und Dichtung als von der »Goldenen« die Rede ist, als von einem Traumbild, dem einst die Menschheit folgte als ihrem strahlenden Stern, der sie zur Höhe des Lebens führen wollte, entfernte sie sich, Gerechtigkeit und Wahrheit trat sie mit Füßen, mordete und tötete sie. Das Kreuz des Lebens verbog und zerschlug sie sich zum Todeskreuz. Nur als ein längst vergessenes und verschollenes Runenzeichen kennt sie es noch, das doch das Leben selbst ist! Sie verwarf mit ihm das eigene Leben.

Es ist kein Zufall, sondern ein lebendiges, strahlendes Leben, es ist Gesetz, daß sich ein Land, das aus himmelstürmenden Bergen besteht, das gleichgerichtete Kreuz zum Zeichen erkor; denn dieses Kreuz will die Menschheit zur reinen Höhe führen — zur Höhe des Lebens!