Karl-Heinz Hütter
Des HERRN letzte Erdenstunden
5. – 6. Dezember 1941von Dr. med. Karl-Heinz Hütter
Der Herr ruht. Sein Körper ist zum Skelett abgemagert Seine Wangen sind eingefallen, ja völlig aufgezehrt, die Haut ist straff gespannt, gut durchblutet von frischer Farbe und seine Augen strahlen, in göttlichem Feuer und überirdischer Schönheit alles umfassend. Das Strahlen dieser wundervollen Augen wirkt heute stärker als je zuvor auf mich. Als Arzt sieht man sonst bei derartigem Körperschwund matte, müde Menschenaugen, die wohl manchmal fiebrig und unruhig ängstlich flackern. Die Augen des HERRN, diese schönen strahlenden Augen!
Das Lichtkreuz ist scharf abgesetzt auf seiner Stirn, weiß ist es auch in der Nähe sichtbar, die Haut scheint hier nicht durchblutet zu sein, so weiß ist es. Scharf zeichnet sich das Profil des edlen Kopfes ab. Die Hände haben fast jegliche Muskulatur verloren, und doch ist die Haut überall straff gespannt, nichts ist welk und schlaff. Nur seine Stimme hat kei- ne Kraft mehr. Es ist nur noch ein leises Flüstern, das man nur noch aus nächster Nähe verstehen kann. Die Damen verlassen das Zimmer und ich bin mit ihm allein. Ganz nahe sitze ich am Bett und lausche seinen Worten: „Das Wasser ist herrlich, eine Kostbarkeit, welche der Mensch noch gar nicht zu schätzen weiß. Der Mensch ahnt ja noch nicht einmal, was Wasser ist! Schön ist es!“ Ich spüre, wie der HERR jetzt mit diesem Element verbunden ist und es in sich selbst erlebt. Seine Gedanken wandern. Glücklich überaus glücklich ist sein Gesicht. Fest liegt seine linke Hand auf der meinen, und wenn er spricht, drückt er fest mit jedem Wort dabei meine Hand. „In der Klinik in Dresden habe ich etwas erleben dürfen, was so überirdisch schön und einzig ist, daß ich es ihnen nicht sagen kann. Es war nötig, daß ich in der Klinik in Dresden war, damit die Menschheit einmal weiß, daß ich kein organisches Leiden gehabt habe.“ Im Frühjahr will er nach Wörishofen fahren und das Wasser genießen. –
„Bald werde ich nun auch irdisch führen. In der Nähe der Burg soll eine Gralsklinik ers- tehen, die Sie leiten werden; dorthin kommen jedes Jahr von jeder Nation ein oder zwei Beste, um zu lernen, um dieses Wissen hernach ihrem Volke weiterzugeben. Ja, so wird es werden!“ Seine Gedanken wandern.
Dann wendet er sich wieder mir zu. Er sagt: ,,Bitte, sorgen Sie dafür, daß die beiden (Frau Maria und Fräulein Irmingard) mich nicht immer so quälen mit allem Möglichen, was ich essen soll. Ich erhalte jetzt andere Nahrung von Gottvater selbst, das Irdische quält mich. Es ist alles richtig, wie es geschieht. Ich will jetzt nur flüssige Kost haben und nur ganz wenig.“ Ich versprach es, und die Liebe übermannte mich, und ich legte meinen Kopf auf seine linke Hand. Da streichelte er mich und sagte: Karl-Heinz ich weiß es, Du. bist mein Freund, und ich liebe Dich, aber anders, wie die Menschen dies meinen. Ich werde Dich führen an meiner Hand Du bist mein Karl-Heinz.“ Und er gab mir seinen Segen und neue Kraft mit beiden Händen, die er mir auf Stirn und Hinterkopf legte. Ich war wie betäubt. Danach stand ich auf um die Untersuchung vorzunehmen Das Herz schlug ruhig, gleichmäßig und kräftig. Der Puls war in Ordnung, der Blutdruck betrug den niedrigen Wert von 125/80, den hatte der HERR auch früher gehabt. Es war somit nichts besonderes, und kein Gedanke kam mir, daß irgend eine Behandlung notwendig wäre.
Inzwischen war es Abend geworden. „Können Sie noch bei mir bleiben?“ So lange es der HERR wünsche“ antwortete ich. ,,Dann bleiben Sie bitte über Nacht hier, es beruhigt mich.“ Und ich führte die Damen wieder herein. Dies ist mein Karl-Heinz“ sagte der HERR und deutete lächelnd auf mich. Nun erzählte ich ihm, daß auch Helmut Müller da wäre, der sich große Sorge um ihn gemacht hätte, ob er den HERRN sehen dürfte? „Ja, wenn er nicht geraucht hat.“ Ich ging hinunter und holte ihn. Der HERR nahm seine Hand und flüsterte: „Meine Freunde sind mir. immer willkommen.“ Danach schickte er mich mit Frau Maria zum Abendessen. Helmut Müller verabschiedete sich dann und ging mit mir hinunter, wo wir uns hinsetzten und eine Flasche Wein tranken. Ich wurde bald hinaufgerufen, denn die Damen brauchten meine Hilfe.
Gegen 1/2 10 Uhr schickte der HERR mich schlafen, und zwar ganz energisch. Frau Ma- ria legte sich auch etwas hin. In mir arbeitete die Kraft gewaltig. Es summte in beiden Armen wie Starkstrom, in der linken Schulter war ein peinigendes Brennen und der Kopf war schwindelig, ich lag ganz still und spürte das gewaltige Schaffen der Wesenhaften in dem Hause.
Großes bereitete sich vor! Ab und zu schlummerte ich für kurze Zeit. Um 3.30 Uhr wurde ich von einem Schnarren wie von einem Wecker wach und stand sofort auf. Im Schlaf- zimmer des HERRN waren die Damen gleichfalls wach. Der HERR begrüßte mich mit einem Lächeln und sagte: „Was will denn der schon? Ich habe ihm doch gesagt, er soll schlafen!“ Aber er freute sich doch, daß ich bei Ihm war. Ersichtlich aber wurde er immer unruhiger. Es begann jetzt auch der Puls schlecht zu werden, das Bewußtsein schwand teilweise. Das Bild hatte sich völlig verändert. Ich wurde sehr besorgt. Gegen 5 Uhr mor- gens gab ich schließlich auf vieles Drängen der Damen dem HERRN eine herzstärkende Einspritzung in die Muskulatur des linken Armes, Er lächelte und sagte: „Dies ist nichts für mich, es schadet aber auch nicht, da Du ja helfen willst.“ Dann sah er ernst die Da- men an und sagte: „Ihr dürft nicht irdisch denken, damit hemmt Ihr mich!” Bald war er wieder nicht bei Bewußtsein. Der Puls setzte stellenweise aus. Da war Frau Maria ganz verzweifelt und fragte was zu tun wäre. Ich riet Frau Maria, den HERRN zu behandeln. Es geschah, und ich mußte dabei den Puls kontrollieren. Dieser gewaltige Vorgang der sich begegnenden Lichtkräfte nahm mir fast den Verstand. Dieses wurde erst in längeren, dann in immer kürzeren Abständen wiederholt. Schließlich fragten mich die Damen, ob ich nicht noch etwas anderes tun könne, und ob ich für das Äußerste nicht noch eine Spritze da habe. Ich antwortete: „Es geht jetzt der Atem GOTTES durch das Haus, da kann es unmöglich von dem Wollen, oder Können eines Menschen abhängen, ob der HERR hier auf der Erde bleibt oder nicht. Ich beuge mich in Demut diesem gewaltigen Geschehen, Amen.“ Als der HERR wieder einmal bei Bewußtsein war, fragte ich, ob er bei uns bleibe. Er bejahte und sagte: „Ich habe versprochen!“. Das war das Letzte, was der HERR sagte.
Von da ab wurde er immer unruhiger, schüttelte fast dauernd den Kopf und bewegte in seinem starken Abwehrkampf beide Arme, wobei er mit der Rechten, wie im Schwert- kampf, ständig zuschlug, um dann wieder beide Arme vorzuhalten. Dieses Abwehren wurde immer stärker. Immer schneller, und so ging es weiter, fast eine ganze Stunde lang. Um 16.16 Uhr verließ der HERR den irdischen Körper. Frau Maria rief IHM nach: „Imanuel willst Du wirklich von uns gehen?“
Nach der Empfindung von Herrn Giesecke (der Hausbesitzer) war es zu diesem Zeit- punkt noch nicht entschieden, ob der HERR nicht doch wieder in seinen Erdenkörper zurückkehren würde, und er drängte uns Menschen, das Haus zu verlassen. Wir gingen hinunter und blieben noch etwas auf, um dann ins Bett zu gehen. Herr Müller schlief mit mir zusammen. Vor dem Einschlafen brach bei Herrn Müller der ganze Kummer um den Verlust seines geliebten HERRN durch, er brauchte sich wirklich seiner Tränen nicht zu schämen. In diesem gelösten Seelenzustande versprachen wir uns beide im Gedenken an unseren geliebten HERRN eine treue Freundschaft zu halten. Allmählich schlief dann je- der ein.
Am frühen Morgen des 7. Dezember stand Herr Müller auf, da er mit dem ersten Zuge nach Dresden fahren wollte, um für ein Begräbnis des HERRN Sorge zu tragen. Noch beim Anziehen kam der Herr Giesecke. zu uns ins Zimmer. Nachdem Herr Müller fort war, kamen wir zwei in ein ernstes Gespräch und auch bei Herrn Otto Giesecke zerbrach die Trauer den äußeren Halt. Unter Tränen versprachen wir uns gegenseitige Freund- schaft und Freunde zu bleiben im Gedenken an Ihn, den Inhalt unseres Lebens.
Nachdem ich dann beim Bürgermeister von Kipsdorf das Notwendige veranlaßt habe, begab ich mich ins Haus, wo die Damen meiner warteten, Zusammen mit der Wäscherin reinigten wir den Körper des HERRN. Danach kleidete ich ihn in ein zartgelbes Seiden- hemd, welches der HErR zu den ersten Feiern getragen hatte. Es hatte doppelte Ärmel, von denen der innere eng anlag und an den Handgelenken manschettenartig zu. knöpfen war – und einen äußeren, der weitfallend den Oberarm bis zum Ellenbogen deckte. Eine mattgoldene Borte verzierte den Hals und die Handgelenke. Schneeweiße, hoch herauf- reichende Strümpfe wirkten wie Beinkleider eines königlichen Heerführers. Die Hände faltete ich über dem Schoß. Weißgespannt war das Linnen, auf dem er lag. Das Kissen der Jünger lag unter seinem Haupte.
Zu beiden Seiten des Kopfes waren kleine Tischchen gestellt, auf die vielarmige Leuchter kamen. Majestätisch lag er da: IMANUEL, der Gralskönig! Wie gemeißelt das Gesicht mit den edlen Zügen, die Hände gefaltet, das Hemd wie ein Krönungsrock bis zur Hälfte der Unterschenkel reichend, die Füße bedeckt mit wunderzarten Wollstrümpfen, die sich faltenlos anschmiegten, die Beine etwas seitlich gestellt, sodaß die Füße nicht zusam- menkamen. So wirkte ER, wie ER war: Königlich!
Und Kerzen wurden angezündet, Blumen über Blumen kamen in das Zimmer. So war alles bereitet, um die Getreuen zu ihm zu lassen.