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Зов к духу

Alfred Fischer

Kunst im Rhythmus der Weltordnung

(DIE STIMME – 1937 – Heft 1)

I. Der verlorene Weg

Kunst ist Ausdruck des Lebens. Der schmückende Trieb ist von Urbeginn an in den Menschen hineingelegt. Wir wissen von großen Kulturepochen (der vorchristlichen Zeit), dass die künstlerische Äußerung eines Volkes oder eines Landes sich mit dem staatlichen und mit dem religiösen Leben gedeckt haben muß.

Seit Beginn der christlichen Zeitrechnung können wir im jeweiligen Wechsel von etwa 500 Jahren – also einem halben Jahrtausend – eine grundlegende Änderung kunstgeschichtlicher Stilepochen feststellen. Das Zeitalter der frühchristlichen Kunst (noch auf der Antike fußend) wird abgelöst von der Kunstäußerung des frühen Mittelalters (romanische Zeit). Darnach entwickelt sich die Kunst des hohen Mittelalters (Gotik), welche wieder abgelöst wird durch die Renaissance, deren Ausläufer mit unwesentlichen Spielarten des Barock und des Neuklassizismus bis in unsere heutige Zeit reichen.

Man hat diese Entwicklungstufen technisch, sozialpolitisch und nach stilkritischen Gesichtspunkten zu erklären versucht und ist dabei immer auf den Fehler verfallen, den manchmal die Medizin macht, daß man äußerliche Symptome als Ursachen einer tiefer liegenden Umwälzung darzustellen suchte.

II. Jetztzeit

Man fühlt und weiß, daß auf allen Gebieten künstlerischer Äußerung der feste Boden völlig verloren gegangen ist; feit Jahrzehnten oder vielleicht feit einem Jahrhundert prägt sich diese Fundamentlosigkeit besonders stark aus. Der Mangel an einem einheitlichen Leben, an innerer und äußerer Harmonie zeigt sich am sinnfälligsten in all den Stilexperimenten, in welchen die Kunst sich auszutoben suchte. Man hat für diese Lage auf künstlerischen. Gebieten ein durchaus richtiges Gefühl. Hilflosigkeit auf der einen Seite beim Künstler, Entfremdung der Kunst vom Menschen auf der anderen Seite.

Wie in politischen Dingen, so fängt man auch auf dem Gebiet von Kunst und Kultur an, mit neuen Rezepten eine rasche Lösung zu suchen.

In Rußland soll die Kunst zur propagandistischen Dienerin reklamemäßig aufgemachter staatlicher oder sozialistischer Ideen und Versuche gemacht werden. Damit wird sie zur Dirne erniedrigt.

In den nationalistisch regierten Ländern versucht man durch sich steigernde Reglementierung parallel den staatspolitischen Maximen die Kunst zum organisierten Volksgut zu machen. Eine allgemeine Verflachung muß die Folge sein.

In den demokratisch und liberal regierten Ländern glaubt man der Kunst das sogenannte freie Eigenleben lassen zu müssen. Sie möchte dabei Selbstzweck werden (l’art pour l’art), entfernt sich vom Strome des allerdings nur noch träge und trüb ,dahinfließenden geistigen Lebens immer mehr, bis sie aus Mangel an innerer Lebenskraft zu Grunde geht.

Die notwendige Folge ist allgemein: Völlige Verödung auf allen kulturellen Gebieten.

III. Die ahnende Stimme eines Künstlers

Auguste Rodin sagt in seinen Gedanken über die Kathedralen Frankreichs:

,,Wie sehr Meisterwerke wirklich Meisterwerke sind, weiß ich wohl, und ich freue mich, es zu wissen! Es ist genau ebenso, wie große Seelen große Seelen sind. Nur indem sie sich zum zwingend Notwendigen im Ausdruck ihrer Gedanken und Gefühle erheben, gelangen Mensch und Künstler zu würdiger Vollkommenheit. Das Meisterwerk ist notwendigerweise eine sehr einfache Sache, die jedoch, wiederholen wir es, nur das Wesentliche enthält Alle Meisterwerke wären auf ganz natürlichem Wege dem Volke verständlich, wenn dieses nicht den Sinn für Einfachheit verloren hätte. Aber selbst dann, wenn die Menge unfähig geworden ist, zu Verstehen, muß der Künstler gleichwohl ein volkhaftes Gefühl, gleichsam eine „Massenseele“ besitzen, um Meisterwerke auffassen und schaffen zu können. Was er mit den Meistern verstehen muß, muß er mit dem Volke fühlen, auch wenn dieses nur ideell gegenwärtig ist. Und so werden auch die Meister wieder „Volk“, um mit dem Herzen, mit der Liebe nachzuschaffen, was sie verstandesmäßig entdeckt haben.”

In diesen Gedanken des großen französischen Bildhauers drückt sich rein materiell der richtig erahnte Zwiespalt aus, den jeder begnadete Künstler empfinden muß, ohne daß Rodin allerdings zu richtigen Erkenntnissen und Folgerungen käme.

IV. Die Lösung

Die Lösung finden wir schlicht und einfach in der Botschaft.

Jede künstlerische Äußerung ist die begnadete Wiedergabe eines im Geistigen schwingenden Vorbildes. Da die Verbindung mit dem Geistigen für die heutigen Menschen so gut wie verschüttet ist, kann auch das künstlerische Gestalten nur mehr ein materielles Experimentieren und Dilettieren sein. Erst wenn die Menschen mit einer grundlegenden Änderung und Erneuerung der gesamten inneren geistigen Haltung wieder Verbindung mit dem schwingendem Rhythmus der göttlichen Gesetzmäßigkeit, das heißt den Urkräften alles Seins in der Schöpfung haben, werden auch die zur Kunstleistung Befähigten wieder das wahre Künstlertum aus dem Empfinden schöpfen können. Dann aber wird die Kunst wieder in Demut dienende Helferin in der göttlichen Weltordnung sein.

Der Zwiespalt zwischen der schöpferischen Kunst und dem allgemeinen Verständnis durch die Menschen ist dann behoben. Denn, wenn alle Menschen wieder im Geiste der Wahrheit nach den Gesetzen der Schöpfung leben, werden sie die aus diesen Schöpfungsgesetzen herauswachsenden Kunstäußerungen verstehen und zur Freude des Lebens in sich aufnehmen. Damit aber ist die den Menschen verloren gegangene Reinheit und Harmonie des irdischen Lebens wieder hergestellt.

Die Kathedralen Frankreichs, Kurt Wolff-Verlag, Leipzig.

Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit.