Lucien Siffrid
Von der passiven Aktivität des Menschensohnes
(Vor 1938 geschrieben)
Gott ist in der größten Stille höchste Bewegung. Er ist das in sich selbst kreisende, ewige absolute Sein. Höchste Kraft und Geschlossenheit in sich, strahlt er das Leben aus, das alles schuf und erhält, was ist und was wird.
Der Ausdruck, den Seine Kraft nach außen hin annimmt, äußert sich in Schwingungen, die ganz besondere Strahlungsgesetze erzeugen.
So wurde der Atem Gottes im Ur-Laut zum Wort, von dem es heißt:
Im Anfang war das Wort.“
>Dieses Wort klingt und schwingt weiter, Leben erzeugend in der ganzen Schöpfung, es ist das eigentliche
Wort Gottes.
Es rein und stark in der Nachschöpfung in seinen Schwingungen zu erhalten, worin allein der Fortschritt der Menschheit möglich gewesen wäre, war die Aufgabe des Erzengels Luzifer.
Dieser aber stellte sich Gott entgegen. In Eigenliebe, Eigenwollen, Eigenwissen bannte er das Wort. Es strömte bald nicht mehr unmittelbar in die Schöpfung ein, sondern erstarrte. Mit ihm das Leben, das in dem lebendigen U-r-Worte des Schöpfers die Nachschöpfung durchpulsen sollte.
Die Ohnmacht der Menschheit, den Versuchungen Luzifer‘s gegenüber, wurde seine Macht. Während die Natur und alles Wesenhafte noch im Ur-Worte und seinen Gesetzen lebendig weiterschwang, entfernten Luzifers Verlockungen den Menschen auch von der Natur. Bestimmt mitzuarbeiten in der Nachschöpfung in voller Harmonie mit der Natur, stand der Mensch bald außerhalb.
Das Wort erstarrte immer mehr. Der sichtbare Ausdruck dafür ist heute, daß das Wort, um verbreitet zu werden, erst in Blei gegossen werden muß. Ehe Gott Sein Wort unter den Menschen in Jesus Christus wieder lebendig werden ließ, hatte Luzifer das Ur-Wort schon so weit in die starren Formen des begrifflichen Denkens gebunden, daß die Menschen den Gottessohn nicht mehr erkennen konnten. Dem im Menschen verkörperten lebendigen Worte des Schöpfers, das in Jesus Christus reinsten Ausdruck fand, stellten sie ihr leeres, formgebundenes Wort entgegen. Und als sie für ihre Macht fürchten mußten, schlugen sie den Träger des Wortes ans Kreuz. So stark war die Macht Luzifers damals schon.
Wenn man vom Worte Gottes spricht, meint man schlechthin die Bibel. Die Bibel und auch das, das uns in den Evangelien vom Gottessohn überliefert wurde, ist nur der geringste Teil dessen, was vom Ur-Wort des Schöpfers in der Nachschöpfung schwingt.
Der Inhalt der Bibel, und die Lehren anderer Religionen sind schon das an die Form gebundene Wort des Schöpfers. Immerhin lebendig genug, um in die Schwingungen des Ur-wortes einzumünden. Aber selbst die gottgewollte Wirkung des im Gottessohn lebendig gewordenen Wortes blieb aus. Der Erstarrungsprozeß, der Buchstaben-Tod wuchs und wuchs bis auf den heutigen Tag, wo das Ur-Wort in seiner Leben-erzeugenden Kraft in keinem Menschen mehr rein, ungebunden, ungebrochen schwingt.
Darum mußte das Ur-Wort nochmals lebendig gemacht werden. In all seinen Schwingungsgesetzen in einem Menschen, der göttlichen Ursprungs, im Menschenkörper diese Gesetze in sich trägt:
Der Menschensohn.
Die Sendung des Gottessohnes war ein Akt göttlicher Liebe. Darum verkörperte Jesus Christus das Gesetz der Liebe am stärksten. So stand er frei dem Willen der Menschheit gegenüber als reines, zu Gott ausstrahlendes Licht. Der Menschensohn dagegen verkörpert am stärksten in sich das Gesetz des Göttlichen Willens in der Schöpfung. So tritt er dem Willen Luzifers und dem Teil der Menschheit, die über ihren freien Willen noch verfügt, gegenüber.
Der äußere Ausdruck des Menschensohnes im Wort formte sich zur Gralslehre. Sie ist die Lehre von den Gesetzen, wie die Gotteskraft in der Schöpfung und Nachschöpfung schwingt. Sie ist also die Lehre vom Ur-Wort des Schöpfers, das uns verloren ging, und nun‚ von Gott ausgehend im Menschensohne wieder schwingt.
Sie ist aber nur die Lehre! Der Schlüssel, der uns nach und nach, wenn wir sie in uns lebendig machen, ein Tor nach dem anderen aufschließt, zum Ur-Wort, bis wir wieder in diesem, wie es Gottes Wille ist schwingen können.
So wird die Grals-Lehre zum Weg in das verlorene Paradies, unsere geistige Heimat.
>Wenn die Menschheit schon damals, als das Wort noch nicht so erstarrt war wie heute, achtlos am Gottessohne vorbeiging, so steht sie heute stumpf, bis auf eine kleine Zahl, der Lehre des Menschensohnes gegenüber.
Die Lehre allein konnte die abgestumpfte Menschheit nicht bekehren. Deshalb wird ihr diesmal durch den im Menschensohn verkörperten Gotteswillen die Wahrheit aufgezwungen.
Einer Lichtsäule gleich, in welcher alle Gesetze des Ur-Wortes schwingen, ungetrübt und ungebrochen steht er in der Schöpfung. Mit den Füßen auf der Erde stehend‚ unter uns lebendig wie jeder andere Mensch doch durch die in ihm schwingenden Gottesgesetze im Ur-Wort unmittelbar mit Gott verbunden.
Sein aus Gott stammendes Wesen steigt in dieser Lichtsäule auf, durch alle Seins – Ebenen und Sphären bis in das Göttliche selbst.
So wirkt er auf allen Ebenen des Seins in dieser Lichtsäule, die, von oben herabschwingend, diese durchschneidet, lediglich durch sein Erscheinen. Alle, die Gott noch ehrlich suchen, schwingen dieser Lichtsäule entgegen. Alle in der Ur-Schöpfung und Nachschöpfung, die Gott dienen wollen, Gott dienen dürfen, schwingen in dieser Lichtsäule mit. Durch das Anziehungsgesetz der Gleichart verbinden sich diese Schwingungen, jeweils anders für die verschiedenen Ebenen des Seins, wie Strahlenbündel, die in diese Lichtsäule münden und so das lebendige Kreuz der Wahrheit bilden, in welchem das Ur-Wort am reinsten schwingt.
Von der Säule ausgehend schwingt der Wille Gottes hinaus in die verschiedenen Seins-Ebenen und löst, wie beim Gewitter, das reinigende Geschehen aus, in welchem sich die falschen Ströme selbst vernichten.
Je näher nun die Seins-Ebenen unserer Erde liegen, desto weniger Licht strömt der Lichtsäule entgegen – desto stärker wird der Widerstand des Dunkels, desto langsamer die Auswirkungen des Geschehens, das durch das Erscheinen des Menschensohnes auf der betr. Seins-Ebene ausgelöst wird.
Der Menschensohn, in dem die Gesetze des Ur-Wortes rein schwingen, erfüllt nur die Gesetze, er kann sie nicht durchbrechen. So kann er erst dann aktiv in das Geschehen eingreifen, wenn auf der Seins-Ebene, auf welcher er erscheint, die Trennung des Dunkels vom Licht sich vollzogen hat. Wenn Gott selbst persönlich eingreifen wollte, hätte er nicht nötig, in einem Menschen seinen Willen zu verkörpern. Gottes Gesetze sind vollkommen, da eingreifen, hieße sie unvollkommen machen. Gott vernichtet nicht. Das Dunkel vernichtet sich selbst. Nötig war nur, daß in einem Menschen an der untersten Stelle der Nachschöpfung Seine Gesetze zu rein schwingendem Leben verkörpert wurden.
So entstand die Lichtsäule nach oben, an der sich alles echte Leben neu-werdend‚ alles falsche, unechte Leben, sich selbst vernichtend, entzündet.
Diese Lichtsäule wird für das Dunkel wie der Funke, der in ein Pulverfaß springt.
Das ist die passive Aktivität des Menschensohnes. Durch sein Verbundensein mit Gott in den Schwingungsgesetzen des Ur-Wortes wirkt er Licht-auslösend auf allen Ebenen des Seins.
Alles, was nicht im Ur-Wort schwingt, trägt kein Licht in sich. Unausgeglichen ballt es Leben zusammen, das in den Gesetzen keinen harmonischen Ausgleich findet und so in sich falsche Ströme erzeugt, die vergleichbar dem Kurzschluß in den elektrischen Leitungen, jetzt wo das reine Licht des Ur-Wortes sie trifft, zur Entladung kommen, Katastrophen erzeugend.
Diese Erde nun ist zum Sammelbecken falschen Lebens, falscher Ströme geworden. Sie dient dem Dunkel und setzt so dem Licht den stärksten Widerstand entgegen, aber es ist auch hier wie bei den Stromleitungen der Elektrizität: ein, in einen starken Strom eingeschalteter Widerstand hält den Strom nur eine Zeit lang auf. Dann brennt er durch, seine Umgebung mit verbrennend und vernichtend.
Das Wirken des Menschensohnes durchlief schon alle Ebenen des Seins und steht vor seiner lösenden Auswirkung auf dieser Erde. Noch hält der Widerstand des Dunkels das Geschehen auf.
Im Lichte stehend, kann der Menschensohn nur aus dem Licht wirken. Erst wenn die Trennung des Dunkels vom Licht durch das ungeheure Geschehen, das wir Weltgericht nennen, sich restlos vollzogen hat, und alle, die dem Licht erhalten geblieben sind, sich ihm zuwenden, ist die Zeit für ihn da, die in ihm schwingenden Gottesgesetze auf der Erde zu verwirklichen und so das tausendjährige Reich einzuleiten. Den Boden zu bereiten, in dem das Ur-Wort unter den Menschen lebendig wirkt und schwingt.
Allem nach, was uns die Zahlen, in denen das Ur-Wort in der Offenbarung Johannes schwingt, und was die Astrologie uns sagt, ist die Stärke des Widerstandes bald gebrochen und das Geschehen nimmt seinen Gottgewollten Lauf.
Dann wird auch die Passivität, die dem Menschensohn bisher auf dieser Erde in Erfüllung der Gesetze auferlegt war, sich wandeln in die den Gotteswillen verwirklichende Aktivität zum Heile derjenigen Menschen, die das Ur-Wort noch in sich lebendig erhalten haben. –